Verbot der kurdischen Sprache als politisches Prinzip in der Türkei

14. Januar 2012 21:440 commentsViews: 38

Der Kemalismus ist eine totalitäre Ideologie, auch hinsichtlich der Vereinnahmung von Völkern und Kulturen. Noch heute werden krude Thesen einiger “Wissenschaftler” auf der Titelseite populärer Medien gedruckt. Mal hieß es, die Kurden seien ein türkisches Volk, die während der Safawiden Einnahme Ost-Anatoliens und Nord-Mesopotamiens  eine schwache Form der persische Sprache angenommen hätten, das hinzu sehr viele entlehnte Wörter aus dem Arabischen und Türkischen habe. Ein anderer “Wissenschaftler” meinte, die Kurden seien ein Mischvolk von Aramäern, Armeniern, Persern, Türken, Arabern und Juden. Sie würden deshalb sich nicht verständigen können, weil ihr Ursprung verschieden sei.

Es ist auch nicht so, dass diese Wissenschaftler ihre Thesen nur in den Medien veröffentlichen – Nein, sie schreiben auch Bücher darüber, die zu Bestsellern werden. Selbst kemalistische und nationalistische Politiker nehmen sich der Thesen an und betreiben entsprechend ihre Kurdenpolitik, weshalb sogar einige davon ausgehen, dass es eine Idee der Imperialisten gewesen sei, dass diese aus den östlichen Türken Kurden gemacht haben, damit sie ihre aktuelle Assimilierung rechtfertigen können. Auch gegenüber Sozialisten!

Bis 1991 galt ein Sondergesetz  Nr. 2932, das vorsah, alle Sprachen anatolischer Volksgruppen zu verbieten. Paragraph 3 der Verfassung der Türkei von 1982 besagt: „Die Muttersprache der türkischen Staatsangehörigen ist türkisch. Es ist verboten: jegliche Betätigung zur Benutzung und Verbreitung einer anderen Sprache außer türkisch als Muttersprache; das Tragen von Plakaten, Transparenten, Losungen, Schildern in den Versammlungen und Demonstrationen und ähnliches, Senden von Stimme, Schallplatten und Bildstreifen und sonstigen Ausdrucksmitteln.”

Dabei ist die kurdische Sprache eine sehr reiche Sprache, die aber ohne einen kurdischen Staat zu verschwinden droht, da viele Kurden in der Türkei nicht mehr die Wirklichkeit ihrer Sprache bewusst sind und zwangsweise, um eine ökologische Nische innerhalb der türkischen Wirtschaft zu besetzen können, die kurdische Sprache und Herkunft unterdrücken. Künstler wie Ibrahim Tatlises und Mahsun Kirmizigül haben sich in den 90er nicht getraut auf Kurdisch zu singen. Erst als Ahmet Kaya der türkischen Öffentlichkeit klarmachte, dass er auf Kurdisch singen würde, und er daraufhin von anderen Künstlern beschimpft und mit Besteck beworfen wurde, ist in der Türkei eine neue Diskussion entfacht worden. Erst sangen linke Musikgruppierungen auf kurdischer Sprache, trotz des zornigen Blickes nationalistischer Türken, die schon immer Kommunisten/Sozialisten hassten, da es nicht ihrer islamischen Weltbild entspreche. Als diese Künstler anerkannt wurden, begannen auch Ibrahim Tatlises und Mahsun Kirmizigül auf Kurdisch zu singen. Mann kann es aber den Künstlern nicht verübeln, denn die Türkei setzte die Kurden sehr unter Druck, sodass sie immer befürchteten, angeklagt zu werden.

Wir Kurden haben noch keine Hochsprache, da eine Hochsprache nur bedingt eines Staates entstehen kann. Deshalb ist die kurdische Sprache an Dialekten reich, die sich soweit unterscheiden, dass manche Linguisten sie als eigenständigen Sprachen bezeichnen.

 

 

 

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