The Economist: “Sympathie für PKK steigt”
Die politischen Nachbeben einer Tötung von Kurden widerhallen immer noch.
Die Türkeis Behandlung der Kurden hat ein düsteres, neues Symbol. Am 28. Dezember bombardierten türkische Kampflugzeuge Schmuggler, die die Türkei vom Irak überquerten und töteten dabei 34. Die meisten waren Jugendliche; der Jüngste war 12. Alle kamen aus einem Paar von Dörfern, in dem vorwiegend kurdischen Stadtgebiet von Uludere. Ihre Familien hatten Probleme damit, die Überreste von den gestorbenen Maultieren zu trennen. „Wir setzten sie zusammen so gut wie wir es konnten und begruben sie“, sagt Abdurrahman Yurek, der seinen 16-jährigen Sohn verloren hat.
Die Opfer wurden offenbar für Militante der separatistischen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gehalten. Genau genommen sind die Dorfmänner eine vom Staat bezahlte kurdische Miliz zur Bekämpfung der PKK. Mitglieder einer parlamentarischen Untersuchung, die Aufnahmen von türkischen Drohnen sahen, sagen, dass keine der Dorfbewohner bewaffnet und ihre Maultiere mit Dieselkraftstoff beladen waren. Menschen waren empört. „Das war kein Fehler, es war ein geplantes Massaker“, sagte Ertuğrul Kürkçü wütend, ein Abgeordneter aus der pro-kurdischen Partei für Frieden und Demokratie (BDP).
Wahrscheinlicher war es ein schreckliches Versehen. Der Ministerpräsident der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, hat so viel eingestanden als er nahelegte, dass die Armee PKK-Kämpfer in der Mitte der Dorfbewohner vermutet haben mag. Doch bleiben viele Fragen offen. Warum wurde auf Zivilisten gezielt, die Informationen zur Verfügung stellten und wer hat die Befehle erteilt? „Vor allen Dingen, warum hat sich die Regierung nicht entschuldigt?“, fragt Hasim Encü, Oberhaupt eines Dorfes, wo Opfer begraben wurden.
Die Kurden der Türkei fühlen sich immer mehr entfremdet und die Sympathie sowohl für die BDP als auch für die PKK ist steigend. In einer Show des tollkühnen Widerstands, werden die Grabsteine der Opfer mit kurdischen Transparenten versehen. Die Dorfbewohner weigern sich Entschädigungen zu akzeptieren, bis sie Gerechtigkeit erhalten. Vahdettin Ozkan, der Gouverneur der Provinz Sirnak, sagt, dass Herr Erdogans milde, islamistische AK-Partei einen „fürchterlichen Schlag“ erlitten habe. Ein Artikel der Wall Street Journal zitierte Funktionäre des Pentagon, laut denen amerikanische Drohnen die Karawane entdeckt und anschließend die Türken alarmiert haben sollen. Amerikanische Regierungsbeamte boten mehr Überwachung an, um die Kolonne zu identifizieren, aber „türkische Offiziere haben stattdessen den Amerikanern, die aus der Ferne die Drohnen steuerten, angeordnet die Drohnen woanders hinzufliegen.“
Herr Erdogan beschuldigte „ausländische Provokateure“ der Ausbeutung der Affäre. Er sagte, dass die BDP wie auch die PKK „Nekrophile“ suchend nach politischem Gewinn seien und Journalisten Diener ihrer Sache waren. Seine Botschaft, wie die Sabah, eine regierungsnahe Zeitung, es ausdrückte, war „Halt den Mund.“ Er hat bereits ein Opfer gefordert: Ali Akel, ein Kritiker und altgedienter Kolumnist einer anderen regierungsfreundlichen Zeitung, der Yeni Safak, wurde gefeuert.
Herr Erdogan hat nun Pläne zum Verbot der Abtreibung angekündigt und sagte, dass „jede Abtreibung ein Uludere sei.“ Empörte Feministen gingen auf die Straße. „Der Ministerpräsident sollte damit aufhören, der Vagina-Wächter zu sein“, sagt Aylin Nazliaka, eine weibliche Abgeordnete der Oppositionspartei CHP. „Wir waren daran gewöhnt, Vertrauen in den Ministerpräsidenten zu haben, doch jetzt ist es so gut wie tot“, so Herr Encü.
In Wahrheit hat Herr Erdogan mehr als seine Vorgänger unternommen, um die kurdische Frage anzugehen und ist zum ersten türkischen Ministerpräsidenten geworden, der öffentlich Fehler des Staates eingeräumt und mit der PKK gesprochen hat. Allerdings wurden diese Gespräche letztes Jahr eingestellt. Herr Erdogan rügt PKK-Attacken. Die Kurden sagen, dass er nicht aufrichtig war, hinweisend auf die Verhaftungen Tausender, einschließlich 38 BDP-Bürgermeister. Leyla Zana, eine BDP-Abgeordnete, die zehn Jahre im Gefängnis verbracht hat, ist nun zu weiteren zehn Jahren verurteilt worden. Sogar Islamisten verlieren das Vertrauen in Herrn Erdogan. „Die Frauen von Uludere hatten keine Abtreibungen, sie gebarten ihre Kinder“, sagte Hidayet Sevkatli Tuksal, eine weibliche Theologin. Sie landeten darin, ihre Leichen aufzusammeln.“
Quellen: economist.com (Massacre at Uludere)
DieKurden.de








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