Gedenken an Abdul Rahman Ghassemlou ( Dr. Qasimlo )

13. Juli 2012 17:530 commentsViews: 20

„Wir sind Kurden und gehören einem Volk an, das durch die Wechselfälle der Geschichte
auf fünf Staaten aufgeteilt wurde. Ein brüderliches Band vereint uns mit allen übrigen
Kurden, wo immer sie leben, und es wird uns weiter mit ihnen vereinen“

Mit diesen Worten Gedenken wir an den Tod von Abdul Rahman Ghassemlou alias Dr. Qasimlo. Vor 23 Jahren, am 13. Juli 1989, wurde Abdul Rahman Ghassemlou, kurdischer Politiker und damaliger Vorsitzender der Demokratischen Partei Kurdistan – Iran (DPK-I), in Wien ermordet.

Abdul Rahman Ghassemlou wurde am 22. Dezember 1930 in Urmia geboren. Dr. Qasimlo kam als Kind einer reichen kurdischen Familie in Urmia zu Welt. Sein Vater Mohammed Ghassemlou stammte aus dem Eşiret der Schikak, während seine Mutter Nana Jan Timsar – die dritte Ehefrau seines Vaters – eine konvertierte assyrische Christin war. Nach seiner Schulbildung in Urmia ging er zur Weiterbildung nach Teheran. Er wurde zum Zeitzeugen der Republik Mahabad und wurde Mitglied der DPK-I.
Er studierte an der Universität in Paris und später in der Tschechoslowakei, erwarb ein Doktorart (deswegen auch der Name Dr. Qasimlo )  der Wirtschaftswissenschaften und war als Gastprofessor in Prag und in Paris tätig.
Abdul Rahman war Anhänger der kommunistischen Partei im Iran (Tudeh) gewesen und hatte den Marxismus-Leninismus studiert. Er wollte sein Leben dem Kampf für sein Volk widmen und als Dr. Qasimlo 1973 zum Vorsitzenden der DKP-I wurde, kehrte er mit der iranischen Revolution nach Kurdistan zurück und führte dort rund 10 Jahre bis zu seiner Ermordung den Befreiungskampf der Kurden im Iran an.
Dr. Qasimlo war verheiratet und hatte zwei Töchter.

Politischer Werdegang

Im iranischen Kurdistan erreichte die nationale Bewegung 1945 seinen Höhepunkt und am 16.August 1945 wurde die PDKI gegründet. Sie fand unter den jungen Leuten Zulauf in Massen. Unter diesen jungen Leuten war auch der noch nicht 15 Jahre alte Abdul Rahman Ghassemlou.

Am 22. Januar1946 wurde die Republik Kurdistan in Mahabad proklamiert. Aber schon im Dezember desselben Jahres marschierte die von den USA und Großbritannien unterstützte, imperialistische iranische Armee in der Stadt ein. Die Verhaftungen und Gemetzel im Gefolge dessen waren ebenso willkürlich wie grausam. Die Republik war vernichtet. Ihr Präsident Qazi Mohammed und seine engsten Getreuen wurden gefangen genommen und am 30.März 1947 durch den Strang hingerichtet.
Nach und nach erholte sich das kurdische Volk. Die Republik Kurdistan in Mahabad mochte zwar nur kurzlebig gewesen sein, aber in der kollektiven Erinnerung starb sie nicht. Unter enormen Gefahren machten sich die führenden Politiker der Kurden daran, ihre Bevölkerung zu schützen, ihr Bildungsmöglichkeiten zu bieten und sie zu organisieren, so auch Dr. Qasimlo.
Dr. Qasimlo arbeitete in zwei Funktionen: an seinem Aufstieg als Universitätsprofessor und bei seinen wiederholten Missionen in Kurdistan.
Als Mann der Wissenschaften, der Diplomatie und als überzeugter Befürworter politischer statt militärischer Lösungen war Qasimlo nach eigenem Bekunden und dem Urteil seiner Umgebung nur zu kämpfen bereit, wenn es ihm und seinem Volk aufgezwungen wurde. Seine Haltung prägte denn auch das bis heute im Wesentlichen gültige, in den 1970er Jahren erarbeitete Parteiprogramm. Es stellt die Einhaltung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die Gleichberechtigung aller Religionen und aller iranischen Minderheiten, das Eintreten gegen die Diskriminierung der Frauen, wirtschaftliche und soziale Entwicklung ebenso ins Zentrum wie die Forderung nach Autonomie der Kurden mit anerkannten politischen, sozialen und kulturellen Rechten in einem demokratischen Iran.

Das Ende des irakisch-iranischen Kriegs hinterließ einen ausgebluteten Iran und Teheran hatte einen Kompromiss in Kurdistan zu finden. Abdul Rahman Ghassemlou für seinen Teil hatte schon jahrelang gesagt, dass ihm das Kämpfen aufgezwungen worden war, da keine der beiden Seiten je verlieren oder gewinnen würde und dass das kurdische Problem früher oder später am Verhandlungstisch gelöst werden müsste.
Und so kam ein konkreter Vorschlag für ein Treffen in Wien. Die PDKI sagte zu. Das Treffen fand am 12.Juli 1989 in Wien statt. Die Delegation aus Teheran bestehend aus Dschafar Sahraroudi und Hadschi Mustafawi und Amir Mansur Bozorgian, der die Funktion eines Leibwächters hatte. Auch die Delegation der Kurden bestand aus drei Personen: Abdul Rahman Ghassemlou, sein Auslandsvertreter Abdullah Ghaderi-Azar (Mitglied des Zentralkomitees) und Fadhil Rassul, ein irakischer Universitätsprofessor, der als Vermittler agierte.

Am darauffolgenden Tag, dem 13.Juli 1989, wurde Dr. Qasimlo in jenem Zimmer, in dem die Verhandlungen stattfanden, mit drei Kugeln aus naher Distanz erschossen. Sein Auslandsvertreter Abdullah Ghaderi-Azar wurde von elf Kugeln getroffen, Fadhil Rassul von fünf. Hadschi Mustafawi gelang die Flucht. Mohammad Dschafar Sahraroudi hatte leichtere Verletzungen erlitten und wurde ins Spital gebracht, dort befragt und heimreisen gelassen. Amir Mansur Bozorgian wurde nach 24 Stunden in Polizeigewahrsam freigelassen und flüchtete sich in die iranische Botschaft.

Die Wogen der Empörung schlugen hoch. Wie war es möglich, dass im im Herzen Europas die Vertreter eines Mitgliedslandes der Vereinten Nationen aus unmittelbarer Nähe das Feuer gegen Vertreter eines Landes eröffneten, mit dem nach kriegerischer Auseinandersetzung Friedensverhandlungen aufgenommen worden waren?
Teheran leugnete jegliche Verbindung zu dem dreifachen Mord und hieß Österreich, in anderen Richtungen nach Hinweisen zu suchen. Aber die Ergebnisse der ballistischen Untersuchungen waren schlüssig. Im späten November 1989 stellten die österreichischen Gerichte Haftbefehle gegen die drei iranischen Repräsentanten aus, die allerdings nie vollstreckt wurden.

So starb dieser Mann, der kein Kriegshetzer war, sondern ein Mann der Wissenschaft, der mehrere Sprachen beherrschte und in Gesprächen überzeugte. Er strotzte vor Begeisterung und Energie, er war ein Intellektueller seiner Zeit – am Ende des 20.Jahrhunderts, als der Sieg der Demokratie wirklich in Reichweite zu sein schien.

Quelle: dieKurden, kurdish Aspects

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.