Brief an die US-Außenministerin Hillary Clinton

6. August 2012 18:410 commentsViews: 6

Wir veröffentlichen den offenen Brief einer südafrikanischen Menschenrechtsorganisation an die US-Außenministerin Hillary Clinton bezüglich ihrer anstehenden Türkeireise.
 

Sehr geehrte Frau Clinton,

wir schreiben Ihnen bezüglich der Kurden, ein Volk von mehr als 40 Millionen Menschen, und seinem inhaftierten Führer Herrn Abdullah Öcalan.
1999 haben die Vereinigten Staaten durch die CIA Herrn Öcalan – ein verehrter und populärer Führer des kurdischen Volkes, entführt, der auf seinem Weg nach Südafrika war, um politisches Asyl zu beantragen. Er wurde in Kenia entführt und den türkischen Behörden übergeben.
Öcalan wurde in einem unfairen Prozess zu Tode verurteilt, welches dann in eine lebenslängliche Freiheitsstrafe umgewandelt wurde.
Seitdem unterliegt er einer unmenschlichen Inhaftierung unter grausamen und unmenschlichen Bedingungen. In den ersten elf Jahren seiner unberechtigten Haft war er der einzige Gefangene auf der Insel „Imrali“, die von mehr als 1000 Soldaten geschützt wird. Und seit den letzten 12 Monaten hat keiner Kontakt zu ihm aufbauen können, weil dieses seitens des türkischen Staates verwehrt bleibt.
Das ist eine klare Überschreitung von internationalen Menschenrechtsnormen, den universellen Bedingungen zur Einhaltung von Menschenrechten in der EU sowie den europäischen Konventionen für Menschenrechte auf der ganzen Welt.

Nirgends ist das Kriegsgeschehen in der Welt so emotional wie im Fall von den Kurden, der größten Nation der Welt ohne eigenen Staat. Der Kampf der Kurden um grundlegende, menschliche und politische Rechte in der Türkei wird ständig ignoriert, entgegengesetzt oder sogar durch die Vereinigten Staaten unterdrückt.
In der Türkei sind heute dutzende kurdische Bürgermeister, mehr als 100 Journalisten und Rechtsanwälte in türkischen Gefängnissen. Alles in allem sind mehr als 6000 kurdische Zivilisten im Gefängnis als politische Gefangene. Sie alle fordern nichts anderes als grundlegende kulturelle und politische Rechte für ihr Volk.
Wenn die Vereinigten Staaten noch vorgeben, die Fackel der Freiheit hoch zu halten, so sind sie verpflichtet, nach einer freien Presse und der Freilassung von Journalisten, allen ungerecht inhaftierten Rechtsanwälten und politischen Gefangenen zu verlangen.

In dem Zeitraum 2008 und 2011, als die Hände der Freiheitskämpfer mal wieder offen waren für einen Friedensdiskus, hat die türkische Regierung sich nicht um Kontaktaufnahme gekümmert, um die Friedenskonventionen beider Völker zu fördern. Stattdessen stempelt man die Freiheitskämpfer als „Terroristen“ ab.
Öcalan hat mehrere gemäßigte und angemessene Vorschläge für eine friedliche und politische Lösung des kurdischen Problems in der Türkei in seiner „Roadmap“ präsentiert.
Auf dieser Friedensagenda hat die türkische Regierung die Rolle des Herrn Öcalan als Verhandlungspartner des kurdischen Problems implizit anerkannt. Aber wir sagen, wie Nelson Mandela auch, Öcalan kann in Ketten nicht verhandeln!

Heute können die Vereinigten Staaten den tragischen Fehler von 1999 korrigieren und das Recht des kurdischen Volkes auf menschlichem Wege durch die türkische Nation behandelt zu werden unterstützen. Auch sollen sie bei der unmenschlichen Lage Herrn Öcalans nicht wegschauen und sich um das Wohlergehen von Öcalan als Friedenskandidat kümmern.
Insbesondere sollte die Forderung des kurdischen Volkes nach der Freilassung von Öcalan unterstützt werden, denn sein Beitrag für eine friedliche und politische Lösung der kurdischen Frage ist entscheidend.

Die Freiheit von Herrn Abdullah Öcalan wird ein Durchbruch für die Demokratie und den Frieden im ganzen Nahen Osten sein.
 

Mit freundlichen Grüßen

Justice Essa Moosa, , Mathew Esau, Vizevorsitzender von Kurdish Human Rights Aktions Gruppe, Südafrika 

 

 

Dieser Brief erschien am 06.08.2012 in englischer Sprache in der Zeitung „Sundayworld“.

Quelle: Sundayworld, DieKurden.de; 06.08.2012

 

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