Imrali- Mittwochs und die defekte Fähre

18. Juni 2012 10:03Kommentare deaktiviertViews: 4

Imrali, Türkei – bis 1999 war dieser Begriff oder Ort sowohl für das kurdische Volk als auch für den Rest der Welt relativ unbekannt. Doch seit der rechtswidrigen Verschleppung des PKK-Vorsitzenden Abdullah Ocalan am 15. Februar 1999 in die Tuerkei, findet dieser Begriff taeglich in unserem Umfeld Gebrauch. Medial gesehen, hoeren und lesen wir diesen Begriff mindestens einmal in der Woche.

 

Doch, was ist Imrali?

Imrali ist eine Insel im Marmarameer und dient als Gefaengnisinsel. Einziger Gefangener auf dieser Insel ist seit 1999 Abdullah Ocalan- so wuerde uns ein Lexikon den Begriff erklaeren.
Doch fuer das kurdische Volk ist Imrali mehr als eine Insel. Auf Imrali ist jemand gefangen, der das kurdische Volk vor der existenziellen Vernichtung bewahrt hat. Der einem Volk, das quasi nach dem Agiri- Aufstand zu betoniert war, zum neuen Leben erweckt hat.

Mittwoch- Ein Tag wie jeder andere auch. Doch gibt es auch Tage, die fuer bestimmte Volksgruppen oder Religionen eine besondere Stellung haben. Fuer die Juden ist der Samstag heilig, fuer die Christen ist es der Sonntag, fuer die Muslime ist es der Freitag und fuer das kurdische Volk ist es der Mittwoch. Warum Mittwoch? Jeden Mittwoch blickt das kurdische Volk nach Imrali- Ocalans woechentliche Konsultation mit seinen Anwaelten. Jedoch werden die Gespraeche seit 11 Monaten aufgrund widriger Wetterbedingungen oder der defekten Faehre verhindert. Also wird jetzt noch gespannter auf den Mittwoch gewartet. Es ist auch nicht verkehrt zu erwaehnen, dass Öcalans Haftbedingungen sich von Tag zu Tag verschlechtern und die Tatsache, dass weder seine Familie noch seine Anwaelte ihn 11 Monaten gesehen haben oder gar mit ihm gesprochen haben, stellt ein mulmiges Gefuehl in den Raum.

Defekte Faehre

Normalerweise ist es so: Wenn eine Faehre oder ein Schiff defekt ist, dann wird es entweder repariert oder man benutzt stattdessen eine andere Faehre. Doch nicht in der Tuerkei- ein Land, wo es an Normalitaet mangelt. Dort ist die Faehre, die nach Imrali faehrt seit sage und schreibe 11 MONATEN defekt. Ein Staat wie die Tuerkei, die die 2. staerkste NATO-Macht ist, ist seit 11 Monaten nicht in der Lage eine Passagierfaehre zu reparieren oder gar einen Ersatz zu finden. Doch auch wenn das Problem mit Faehre geklaert ist, dann spielt nach den tuerkischen Behoerden auch das Wetter nicht mit. Dann heisst es: ‘Aufgrund von widrigen Wetterbedingungen kann die Faehre nicht nach Imrali fahren.’ Anscheinend sprechen sich das Wetter und die Faehre immer ab, dass sie mittwochs nicht im Stande sind, irgendetwas zu machen.
Es klingt absurd, aber seit 11 Monaten versucht die tuerkische Justiz mit solchen unzureichenden Argumenten die Konsultation Ocalans mit seinen Anwaelten und seiner Familie zu unterbinden.

Es scheint so als haette die AKP-Regierung Angst vor den Gedanken eines Mannes, der seit 13 Jahren auf einer Insel als Geisel festgehalten wird. Trotz massiver Haftbedingungen, Totalisolation, Vergiftungsversuchen, Bunkerstrafe und etlichen weiteren Sonderverboten, hat der durch das Volk legitimierte Repraesentant des kurdischen Volkes Abdullah Ocalan nie aufgehoert, an einer friedlichen Loesung der kurdischen Frage zu arbeiten. Seit 13 Jahren leistet Ocalan selbst als Gefangener unter unvorstellbaren Haftbedingungen und minimalen Kapazitaet eine enorme Arbeit zur Ausarbeitung der kurdischen Frage. Durch seine Schriften und Ideen organisiert er das kurdische Volk.

Ocalan symbolisiert den Kurden, der unter jeglichen Bedingungen von seinen Ideen und Prinzipien nicht ausweichen wird und bis zur letzt Widerstand leisten wird- ganz gemaess der Parole ‘Berxwedan Jiyan e- Widerstand bedeutet Leben ‘… ganz gleich ob die Faehre defekt ist oder die Wetterbedingungen widrig sind…

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