Erobert das Leben !
Erobert das Leben!
Auszug aus dem Buch Wie Leben von Abdullah Öcalan (Teil V)
Erhabene Gefühle berühren den Verstand ebenso, wie der Verstand sich auf die Gefühle auswirkt. Aber begrenzte und ausschließlich auf die persönlichen Neigungen reduzierte Gefühle führen zu einer Reduzierung der Persönlichkeit. Dies geschieht auf eine sehr gefährliche Weise auch in unseren Reihen.
Ich verleugne nicht die menschlichen Triebe und Neigungen, aber alles muss für die emotionale und intellektuelle Entwicklung der Menschen eine Funktion haben. Ein Verstand, der sich nur den persönlichen Neigungen unterwirft, hat keine Perspektive. Man wird in so einem Fall nur für den Bauch und für die Befriedigung grober, sexualisierter Bedürfnisse leben. Man wird also nur dafür leben, die einfachsten Triebe zu befriedigen. So ein Leben ähnelt dem eines Menschen, der sich täglich mit Raki betrinkt. Das ist keine gute Lebensweise.
Jeder schämt sich für Abschnitte seines früheren Lebens. Nicht nur Ihr, sondern auch alte, erwachsene Menschen hassen ihre alten Familienbeziehungen. Das alte Verständnis von Ehre und vom Leben ist zerbrochen. Und das haben wir erreicht. Einige Provokateure und Defätisten halten am Alten fest. Die kolonialistischen Ideologen versuchen, uns täglich durch ihre Spezialkriegsmethoden die veralteten Verhaltensweisen und Gefühle aufzuzwingen. Oberflächliche und grobe Bedürfnisse des Menschen auszulösen ist eine Methode des Spezialkrieges. Dieses triebhafte Leben den Menschen aufzuzwingen, ist eine Einladung, alte Gewohnheiten und familiäre Lebensweisen wieder aufzunehmen. Auch wenn ihre Methoden sich widersprechen mögen, so sind sie Maßnahmen des Spezialkrieges, die voneinander abhängen. Wir bemühen uns, beides zu zerstören. Sie sagen den Familien: Passt auf eure Kinder auf und erzieht sie konservativ. Wir dagegen treffen Vorkehrungen, um nicht in diesen Einfluss zu geraten. Der Spezialkrieg hat sowohl die Kunst als auch das Bedürfnis der Menschen nach Sport missbraucht. Da gibt es bekannte faschistische Herangehensweisen. Zurzeit werden die Spezialkriegsmethoden in diesen beiden Bereichen am häufigsten eingesetzt.
Natürlich sind wir angesichts dieser Entwicklungen nicht untätig geblieben. Es ist eine menschliche Grundeigenschaft, den Weg zur Freiheit glaubwürdig und konsequent aufzuzeigen. Wir haben das entwickelt. Wir haben der Bevölkerung, der Jugend die Forderung nach Freiheit dargelegt und damit die Absichten des Spezialkrieges zerstört.
Ein organisierter Mensch stellt eine große Stärke dar
Niemand kann behaupten, dass ich keine große Kraft darstelle. Diese Tatsache begreift auch der Feind nicht: Wie kann diese Person einen solchen Krieg führen? Hinter ihm steht die ganze Welt. Hinter wem steht die Welt, hinter Euch oder hinter mir? Es ist doch bestens bekannt, wo ich stehe. Ein organisierter Mensch ist meiner Meinung nach wirksamer als eine Atombombe. Und ich bin ein Beweis dafür. Das ist die Grundlage, von der aus ich an die Menschen glaube. Wenn mein Glaube an die Menschen nicht so groß wäre, könnte ich mich auch nicht so entwickeln. Unsere ganze Kraft resultiert daraus, dass wir die Menschen begreifen und sie voranbringen. Keiner hat uns auch nur einen Groschen gegeben. In jedem Bereich, den wir begonnen haben, haben wir bei Null angefangen. Dadurch, dass wir alles mit Glauben, mit Mühe und Verstand angepackt haben, konnten wir diese Erfolge aufweisen.
Unsere Ansprüche, Normen und Prinzipien sind groß. Euch steht eine beispielhafte militante Persönlichkeit gegenüber, die das alles umsetzt und erreicht. Wie wollt Ihr diese Persönlichkeit überflügeln? Sollte nur einem das gelingen, dann werde ich ihm alle Dienste erweisen. Er soll das Leben dann noch weiter entwickeln, sein Bewusstsein und die Gefühle sollen noch erhabener sein. Seine Kraft, Menschen zu gewinnen, und seine Stärke, den Kampf zu führen, sollen noch klüger sein. Warum sollte ich mich nicht an eine solche Persönlichkeit binden, warum sollte ich einen solchen Menschen nicht zu einer Führungsperson entwickeln?
Obwohl ich diese Führungsposition nicht will, führe ich sie aus, weil die Verantwortung dafür auf mich geladen wurde. Kein anderer kann sie besser ausführen. Meine Lebensart ist eher die eines arbeitenden Militanten als eines Führers. Vielleicht ist es auch eine Lebensart, die den Militanten und die Führung vereint. Es gibt auch andere Aspekte, Ihr müsst lernen, diese zu untersuchen. Wenn Ihr nicht aus Büchern lernen könnt, Euch nicht weiterentwickeln könnt, so könnt Ihr viel durch unsere Lebensart lernen. Ihr könnt daraus großen Nutzen ziehen. Ihr könnt zum Beispiel die Menschen durch eure Lebensart beeindrucken und verändern. Versucht es so wie ich zu machen. Ich bin täglich bei Euch. Versucht das Gelernte umzusetzen. Auch wenn vielleicht nicht alles gelingt, was Ihr Euch vornehmt, so könnt Ihr als gute Militante arbeiten.
Man sollte die Stärke eines Militanten nicht zu gering schätzen. Ein Militanter ist ein Kommandant und ein Kommandant ist ein praktischer Führer. Er stellt einen großen Wert dar. Warum scheut Ihr Euch, die Menschen stark zu beeindrucken und zu organisieren? Warum gelingt es Euch nicht? Warum habt Ihr in dieser Hinsicht keine Ansprüche? Ich setzte mich hierfür ausschließlich ein und betrachte es als die schönste Aktion. Nichts übertrifft den Wert dieser menschlichen Mühe. Den Menschen mit der wertvollsten Mühe zu begegnen, ist nur durch die Revolution möglich. Dabei ist es auch notwendig, einen umfassenden Ausdruck erlangt zu haben. Wir versuchen das zu erreichen. Habt Ihr es noch immer nicht verstanden? Wenn Ihr die PKK so verstanden hättet, wenn Ihr so gelebt hättet, wenn Ihr es richtig vertreten hättet, wäret Ihr sicherlich zu Führungspersönlichkeiten geworden, die im Dienste der Menschen stehen. Ihr wärt zu einer Lösung für ihre Probleme geworden. Das ist möglich. Seht Ihr nicht, wie anziehend unsere Lebensart ist? Wie viele Menschen sie gewinnt, wie viele sie beeindruckt, und wie sehr Ihr sie braucht?
Ich rufe täglich zur Eroberung des Lebens auf
Ich habe eine lebendige, erobernde, praktische Lebensart bei allen verbreitet. Angefangen von den Siebenjährigen bis zu den Siebzigjährigen. Viele von Euch sind wie tot. Ihr seid für das Leben nicht zu gewinnen. Eure Leidenschaft, eure Freude ist sehr schwach, euer Bewusstsein ist nicht ausreichend, eure Herzen sind taub, Ihr seid von Sensibilität und Verantwortung weit entfernt, Ihr wendet Euch dem nicht mit dem notwendigen Interesse zu. Wir sind anders. Das Problem liegt darin, Euch ebenfalls auf dieses Niveau zu bringen. Das ist möglich, daran müsst Ihr glauben. Unser Beispiel kann Euch nur ermutigen. Ihr solltet nicht versuchen, diese Persönlichkeit nachzuahmen, sondern Ihr müsst Euch auf den Weg der eigenen Entwicklung begeben. Ihr habt es nicht nötig, nachzuahmen. Es gibt beeindruckende und belehrende Wege, die Ihr in Eurem eigenen Interesse gehen müsst.
Große Gefühle, anspruchsvolles Bewusstsein, große Aktivitäten müssen zu Euch passen, Ihr müsst sie Euch zu eigen machen. Ihr habt es nötig. Warum scheut Ihr Euch davor, diese Erhabenheiten für Euch in Anspruch zu nehmen? In jeder Hinsicht seid Ihr arm. Ihr seid verkümmert an Gefühlen, Ihr seid schwach an Verantwortungsbewusstsein, politisch und militärisch seid Ihr schwach, in eurer Ausdrucksweise seid Ihr arm, in eurer Lebensart und -weise, in eurem Tempo seid Ihr schwach. Und noch viel wichtiger: Ihr seid arm in euren Maßstäben und in eurer Sozialisation. Ihr müsst eure Mängel besiegen!
Ist es aussichtslos, zu einer Sieger-Persönlichkeit zu werden? Warum sollte unsere Leidenschaft nicht in diese Richtung gehen? Ich rede hier nicht von kleinen Sozialisationen, sondern von einer umfangreichen Sozialisation. Wir haben Euch versucht, die Sozialisation der Partei zu vermitteln. Wir haben sie in ihren ideologischen und politischen Dimensionen ausführlich behandelt. Die soziale Erziehung ist der Kern unserer Sache. Ohne eine disziplinierte soziale Erziehung kann der Überbau nicht errichtet werden. Wie es in den Religionsbüchern steht, stimmt es: Vierzig Jahre mit Schmerzen leben, heißt es da. So ist es auch mit dem Sozialisationsunterricht. Es bedarf großer Schmerzen. Wir werden auf jeden Fall die soziale Erziehung aufbauen. Unsere Revolution gelangt von der ideologischen, politischen und militärischen Ebene immer mehr auf die soziale Ebene. Dies verändert das Leben vieler, was zu einer großen Beeindruckung und zu Reaktionen führt. Das hier ist ein Aufstand gegen die alte Gesellschaftsordnung. Gegen die vom Feind entwickelte Welt der Sozialisation, Beziehungen, Gefühlen und Trieben. Wir versuchen diese Welt zu zerstören.
Es ist eine interessante Entwicklung zu beobachten. Man versucht, unser Soziales Leben in ein Kontra-Sozialleben umzuwandeln. Einige verfallen in dieser Situation in eine merkwürdige Art, emotional zu werden. Ein widersprüchlicher, interessanter oder niederträchtiger Zustand tritt auf. Wir finden das sowohl unter den Frauen, als auch unter den Männern. Als wir die Frau und den Mann nach unseren Partei- und Militantenmaßstäben neu verändert haben, gab es sichtbare Entwicklungen. Aber diese greifen in einer merkwürdigen Weise an. Ich gehe davon aus, dass der türkische Staat einige Spezialisten ausgebildet hat. Es gibt Frauen und Männer, die eingeschleust wurden. Diese werden aber von Leuten aus unseren Reihen, also von denen, die den Schritt zu uns freiwillig tun, übertroffen. Die Gefahren, die von Menschen aus unseren eigenen Reihen ausgehen, sind unvorstellbar groß.
Wenn der Feind in unsere Strukturen eingreift oder Leute einschleust, dann tut er das für eine begrenzte Zeit. Die Art und Weise ist uns bekannt. Aber der innere Feind repräsentiert die tausendjährige Rückständigkeit und die Unterwerfung und ist daher äußerst gefährlich. Das schlimmste ist, dass sie objektiv Feinde sind. Das Bewusstsein über Freiheit ist weit entwickelt. Die Möglichkeit einer freien Beziehung ist in der Beziehung zwischen Mann und Frau entstanden. Wäret Ihr unter den früheren Bedingungen verheiratet gewesen, hättet Ihr keine so aufgeschlossene und freie Herangehensweise entwickeln können. Ich glaube auch nicht, dass Ihr Euch einander so respektvoll und sorgfältig angenähert hättet. Wäret Ihr vierzig Jahre lang mit einer Person verheiratet gewesen, hättet Ihr wohl kaum dieselbe Ehrlichkeit und Offenheit erreichen können. Und trotzdem gibt es gegen die freie Beziehung einen großen Angriff. Ich weise darauf hin, um die revolutionäre und freiheitliche Alternative von Beziehungen zu definieren. Der Verräter in Euch, der Kontra, der gegen die Liebe zur Freiheit ist, muss in seiner Gesamtheit definiert werden. Momentan versuchen einige bewusst oder unbewusst, meine Ordnung diesbezüglich anzugreifen. Was soll das? Warum wollen sie die Entwicklung zur Freiheit verhindern? Menschen wollen sich organisieren, warum wird dieser Wille zerstört, warum werden sie unter Druck gesetzt? Um wessen Seele geht es denn? Ihr müsst diese nationalen und klassenbezogenen Eigenschaften richtig verstehen. Es ist unglaublich: je mehr wir die Menschen zum Kämpfen bewegen wollen, desto mehr ziehen sie sich zurück. Je mehr wir die Menschen organisieren möchten, desto weiter stehlen sie sich davon.
Unser sinnvollster und größter Dienst, den wir mit großer Mühe an den Menschen leisten, ist das Streben nach Freiheit. Die Angriffe hierauf aber richten sich stark gegen den Versuch, in produktiver Weise, also arbeitend, die vergammelten sozialen Beziehungen zu überwinden. Mehr tue ich eigentlich nicht. Werdet noch freier, erkennt euren Feind, erkennt die Liebe. Gebt Euch nicht damit zufrieden, den Feind nur oberflächlich an der Front zu sehen.
Es ist ein Fortschritt, den Feind zu entlarven. Es sind die alten Verräter. Es handelt sich um den tausend Jahre alten Feind. Dieser hat sich jedoch versteckt, ist nicht zu erkennen. Er ist ein Wolf im Schafsfell. Er repräsentiert sich im Namen zeitgenössischer Maßstäbe als Mensch und ist doch schlimmer als ein Tier. Wir können diese Erkenntnis noch vertiefen, aber für jemanden, der kämpfen möchte, sollte das ausreichen. Aber man muss diese Erkenntnis auch wahrnehmen, sie muss sichtbar gemacht werden. In der Nacht kann man den Feind mit der Faust nicht treffen. Zuerst muss der Feind entlarvt werden, aber man darf nicht nur oberflächlich über ihn herfallen. Ist er entlarvt und analysiert, so musst du sehr entschlossen gegen ihn vorgehen. Nicht nur gegen den vordergründigen Feind müssen wir vorgehen, sondern auch gegen alles Feindliche in uns, was verändert werden muss.
Auch die Rückständigkeit ist unser Feind
Die Regeln des Lebens nicht zu akzeptieren, hat vielleicht noch gefährlichere Auswirkungen als der Feind. Auch darauf haben wir hingewiesen. Was für Menschen sind sie? Was ist Verrat? Sie sind hässlich, zerstörerisch, sie lästern, sie sind gegen Organisierung, gegen Erziehung und gegen Regeln. So stellt sich der entlarvte Feind dar. Wie kann man gegen ihn vorgehen? Mit der Kraft des Verstandes, der Gefühle, mit der Waffe der Organisierung, der Erziehung und – wenn es notwendig ist – indem man den aktiven bewaffneten Kampf beginnt. Wichtig ist es, Geduld zu haben und das richtige Maß zu finden. Das alles sind Waffen. Die Aufgabe eines Militanten ist es, zu wissen, wann er welche Waffe einsetzt, er muss lernen, das richtige Maß zu finden. Die Liebe und der Respekt sind Waffen, die zeitgemäß eingesetzt werden müssen. Ansonsten können wir diese Feinde nicht schlagen. Diese Feinde wollen unseren offensiven Kampf ins Leere laufen lassen. Warum habt Ihr bis heute den Respekt, die Liebe, die Harmonie, den Kollektivismus, die Maße für eine Erziehung nicht weiter entwickelt? Warum fragt Ihr Euch nicht, wie Ihr diese notwendigen Waffen gegen den inneren und äußeren Feind einsetzen könnt? Euer Kampf kommt nicht über einen groben Kampf hinaus.
Meine Kampfart aber ist eine andere. Ich gebrauche diese Waffen sehr effektiv. Ich wecke die Emotionen der Menschen. Die heutige emotionale Kraft des Volkes richtet den Feind zugrunde. Um so weit zu kommen, habe ich sehr sorgfältig gearbeitet und viele Jahre gebraucht. Ihr habt diesen Unterricht nicht verstanden. Es ist eine Schulung, die ich seit vierzig Jahren erhalte. Glaubt Ihr etwa, so eine Wirkung entsteht von selbst? Die Imperialisten und Kolonialisten geben Billionen und Trillionen aus, aber es gelingt ihnen dennoch nicht, das Volk an sich zu binden. Wie ist es mir gelungen? Auch um Euch an die Revolution zu binden, habe ich alle meine Mühe aufgewandt. Trotz aller Kritiken zieht Ihr in den Kampf und nehmt den Tod auf Euch. Täglich fühlt Ihr Euch großen Prinzipien verpflichtet. Früher hätte man Euch Kämpfer des Herzens genannt. Früher wurden Menschen zu Heiligen, die sehr viel gelitten haben. Unser Leben ist in gewisser Weise eine andere Form eines heiligen Lebens. Einige Menschen verstehen das überhaupt nicht. Sie sind nur auf die militärische Seite fixiert. Ja, wir haben alle diese Waffen besorgt und Euch übergeben, und doch brauche ich sie nicht sonderlich. Ich arbeite vielmehr mit anderen Waffen. Ich habe eine andere Herangehensweise. Wenn Ihr es auch so gemacht hättet, hätten wir den Feind längst erledigt. Aber weil Ihr diese Waffen nicht beherrscht, greift der Feind Euch dermaßen an. Wenn Ihr die Waffen, die ich Euch näher bringen will, zur richtigen Zeit am richtigen Ort anwendet, ist es unmöglich, Euch zu besiegen. Mit Eurer Opferbereitschaft und Eurem Mut wäret Ihr sicherlich erfolgreicher als ich. Warum eignet Ihr Euch diese Art und Weise nicht an? Warum zeigt Ihr noch so große Schwächen in den Fragen, was notwendig ist, wie und wo angegriffen werden muss, auf welche Weise wo ein Vorstoß praktiziert werden muss?
Wer nicht hasst, wer keine großen Gefühle hat, kann auch nicht großartig kämpfen
Ihr macht Angriffe und bezieht Stellung, wenn der Feind sichtbar ist. Das zähle ich gar nicht zu einer Aktion. Meine Art, Stellung zu beziehen und von Waffen Gebrauch zu machen, ist eine andere. Solange ein Kämpfer/ eine Kämpferin diese Größe nicht aufweist, wird jeder grobe Kampf sinnlos bleiben. Wer keine Gefühle der Vergeltung, des Hasses und keine große Emotionen empfindet, kann den Kampf nicht führen. Ein Kommandant riecht den Feind aus Tausenden von Kilometern. Wer all die Entwicklungen nicht so versteht, kann im Kampf kein guter Kommandant werden. Ihr aber schießt, sobald der Feind sichtbar ist. Mit so einer groben Art des Kampfes, mit dieser rückständigen Art haben wir meistens Niederlagen erlitten. Ihr werdet jeden Tag geschult, Ihr müsst Eure Kapazitäten erweitern. Warum seid Ihr so gleichgültig, warum seid Ihr noch immer Beispiele für die Dummheit? Ihr seid aufrechte Jugendliche und seid sehr entschlossen. Ich wiederhole es noch einmal: Eurer Problem ist, dass Ihr Euch nicht intensiv bildet. Mit einer oberflächlichen Herangehensweise lässt sich das Fundament der Schwäche nicht durchbrechen. Der Feind hat Euch kraftlos gemacht. Denn wenn Ihr Euch die Punkte, die ich angesprochen habe, aneignet, wird sich niemand Euch in den Weg stellen können. Wo aber sind die Gedanken, die Konzentration und die intellektuelle Anreicherung? Ihr begeht einen großen Fehler. Ihr durchlebt behaglich Eure ersten Fehler. Das schreckt ab. Unsere Militanten dürfen so nicht sein, sage ich mir. Die Kontras und inneren Verräter können planen und angreifen. Solche wird es immer geben, die sich verkleiden wie Wölfe im Schafspelz, sie scheinen wie Engel zu sein. Solche Täuschungen gibt es viele. Wir sind vielleicht zu gutgläubig und können es nicht immer durchschauen, aber es gibt sie. Doch bis heute haben wir auf all diese Täuschungen noch immer eine Antwort gegeben.
Wie können wir die Situation derer historisch bewerten, die – sich an mich lehnend – sagten: Wir brauchen dich, nur um dann den größten Verrat zu begehen? Wer sind diejenigen, die sich für die Klügsten halten, die sich allen Aufgaben, ihren Machtpositionen und der Verantwortung gewissenlos und niederträchtig annähern und damit ihre Position, ihren Wert verspielen? Auch damit müssen wir uns beschäftigen. Ihr erklärt immer wieder, wir wollen das so, wir sind so, und setzt alles aufs Spiel, nur um einen Tag wie ein Agha leben zu können. Anschließend wollt Ihr Mitleid, bittet um Vergebung. Vergesst nicht, dass Ihr Kämpfer seid, und weint mir gegenüber nicht. Wir sind eine kämpfende Organisation, bewegt Euch nach den Regeln. All das Erhabene, all der Reichtum gehört Euch. Ihr müsst das verstehen. Unsere Bewegung ist wie eine große Familie, eine Familie, die mit viel Respekt und Liebe sich entwickelt. Wir können sagen, dass sie im Falle ihres Erfolges, ein Musterbeispiel für die Menschlichkeit sein wird.
Die PKK ist eine kämpfende Organisation, ist eine kämpfende Familie. Wir werden weiterhin mit großer Leidenschaft für ihre Zuständigkeit arbeiten. Menschen ermüden nicht im Kampf für solch große Werte. Sie stellen sich darauf ein, indem sie sich die Rückständigkeiten und Praktiken des Feindes betrachten. Wenn der Mensch möchte, kann er sich noch wirksamer entwickeln, als eine Atombombe und damit den Erfolg garantieren.
Das von uns entwickelte Modell ist sowohl wissenschaftlich als auch von starkem Willen geprägt. Es ist auch möglich, durch uns geschaffene Entwicklungen auf künstlerischer Ebene, z.B. in Form eines Romans darzustellen. Unser Tun bildet eigentlich den Kern der Kunst. Was wir entwickelt haben, wird später den Stoff für hunderte von Büchern, Liedern, Bilder und Gedichte liefern. Wenn sich jemand das zutrauen sollte, könnte man unglaubliche, sich auf der internationalen Ebene auswirkende Werke schaffen. Das interessiert natürlich die Welt der Künstler. Wir können das natürlich nicht alles auf einmal entwickeln, aber wir sind bemüht, hierfür eine zuverlässige Quelle zu sein. Unser Verständnis von Freiheit und freien Beziehungen bilden einen Reichtum, wie er bei keiner anderen revolutionären Bewegung zu finden ist. Wir haben andere Revolutionen ein wenig untersucht und dabei versucht, die gegenseitige Wirkung von Kunst und Revolution zu verstehen. In keiner der Revolutionen besaß die Basis ein so großes Bewusstsein. Ich glaube nicht, dass eine andere Revolution die zwischenmenschlichen Beziehungen und die freien Beziehungen so radikal und von Grund auf behandelt hat. Genau darum ist die Angst der Imperialisten groß.
Was bei der PKK aufgebaut wird, ist keine gewöhnliche nationale, politische und menschliche Bewegung. Sie ist sehr radikal. So wie sie den Menschen in seiner Gesamtheit hinterfragt, ist sie eine Bewegung, die versucht, den Freiheitswillen mit größter Leidenschaft und größter Menschlichkeit aufzubauen. Wir haben es oft gesagt: wir stehen der gefährlichsten Entmenschlichung gegenüber. Während der Feind Euch in noch schlimmere Situationen treibt, ist es ganz natürlich, dass Ihr gegen diese menschliche Erniedrigung einen radikalen Befreiungskampf der Menschen führen müsst. Ich entscheide nach dem Grad der Unterdrückung, was das Richtige ist. Widerstand wie Feindschaft, Aufbau wie Zerstörung. Der Feind zwingt uns eine große Lieblosigkeit auf. Kann der Mensch so feindselig gegenüber einem Volk sein? Er ist es. Also müssen wir gegenüber dieser großen Feindseligkeit entweder die Liebe oder die Entmenschlichung akzeptieren. Was der Feind will, ist unsere Entmenschlichung, die Niederlage. Wenn Ihr keine großen Gefühle, großen Gedanken, großen Handlungen entwickelt, so werdet Ihr Gefangene des Feindes und zu seinen Instrumenten werden. Das sind wichtige Gedanken, die Ihr unbedingt verstehen solltet. Die PKK ist keine gewöhnliche politische Institution. Ihr müsst unbedingt versuchen, etwas von ihrer Tiefe zu erreichen. Ihr müsst Euren Willen erziehen.
Sie fasten monatelang – fastet Ihr bis zum Ziel! Sie beten – diszipliniert Euch, als würdet Ihr fünfmal am Tag beten. Lernt auswendig – wenn es sein muss, ruft von morgens bis abends die Worte der Revolution. Ich sage nicht, erzieht Euch nach klassischen Formen. Ich gebe diese Beispiele, um verständlich zu machen, worum es uns geht. Wir verfügen über eine großartige Erziehung, daher sollte uns keiner willkürlich oder naiv bewerten. Wenn Ihr aufrecht seid, wird Euer Respekt ausreichen, um die Realität darzustellen. Alles Schlechte vereint sich mit dem Feind, mit der Rückständigkeit. Man versucht, nicht nur den türkischen Faschismus, sondern alle rückständigen Banden auf internationaler Ebene gegen uns einzusetzen. Wir müssen uns verteidigen, uns festigen und wir dürfen uns von unserer Menschlichkeit nicht entfernen.
Unsere Feinde sagen bis zuletzt: Werdet wie Tiere. Wir aber sagen bis zuletzt: Wir werden Menschen sein. Indem Ihr das Leben noch intensiver wahrnehmt, die Aufforderungen des Lebens erkennt und versteht, was es heißt, das Leben im Kampf zu erobern, könnt Ihr erfolgreich diese Hindernisse überwinden. Das ist eine Chance. Ich habe diese Chance etwas genutzt, ich habe versucht, den Respekt gegenüber einem Land, gegenüber einem Volk, gegenüber den Menschen zu entwickeln. Ihr könnt diese Chance noch mehr nutzen. Eure Sehnsüchte müssen auf der Grundlage von Freiheit wurzeln. Ihr möchtet nach dem Guten streben, Ihr möchtet alles, was Ihr verloren habt, mit großer Mühe und Kampf gewinnen. Da gibt es keine Zweifel. Was fehlt, ist die Bildung. Dieser Mangel kann mit Geduld, mit der steigenden produktiven Arbeit und durch die Stärkung unserer Arbeit überwunden werden. Diese Möglichkeit wird Euch gegeben. Bis jetzt habt Ihr das noch nicht würdig verwenden können. Ich unterstreiche, dass Ihr dieses in Zukunft unbedingt bewerten solltet. Diese große Armut, die aufgezwungene Vernichtung und dieses niederträchtige Leben könnt Ihr nur mit solch einem Widerstand ins Leere laufen lassen und – was noch wichtiger ist – so könnt Ihr das freie Leben gewinnen.
Quelle: Kurdistan Report Nr. 86






