Die Rolle der kurdischen Frau im Befreiungskampf
Die Rolle der Frau spielt, im Befreiungskampf der PKK, eine wichtige Rolle. Seit den Volksaufständen, Anfang der 90’er Jahre, hatten sich zunehmend mehr Frauen motiviert gegen die nationale Unterdrückung sowie dem politischen und militärischen Kampf der PKK angeschlossen. Bei den anderen kurdischen und reformistischen Bewegungen hatte es so etwas noch nicht gegeben. Frauen konnten dort nicht aktiv, an der Arbeit teilnehmen oder Peschmerga, werden. Von der Verleugnungs- und Völkermordpolitik des türkischen Staates bedroht, entschlossen sich Tausende von Frauen, die häufig Zeuginnen der Dorfzerstörungen, Folter und Ermordung von Angehörigen gewesen waren, das Unrecht nicht mehr schweigend hinzunehmen. Bei ihrem Anschluss an die Bewegung dachten viele von ihnen weniger an den Kampf für ein freies und unabhängiges Leben als vielmehr an einen würdevollen Tod. Da der Tod angesichts der Massaker an der Zivilbevölkerung unausweichlich schienen, wollten sie dem Feind zumindest bis zuletzt Widerstand entgegensetzen und damit den Gedanken an ein unabhängiges Kurdistan, das für sie ein freies Leben symbolisierte, lebendig halten. Jedoch bedeutete allein dieser Schritt schon einen mutigen Bruch mit der engen feudalen Familien- und Stammeswelt, in der das Existenzrecht der Frau vollständig an den Mann gebunden war. Väter, Brüder und Ehemänner bestimmten über Körper und Leben der Frauen und Mädchen bis ins kleinste Detail. Viele wurden bereits in jungen Jahren Zwangsverheiratet, weshalb sie niemals die Chance bekamen eine eigene Meinung, einen eigenen Willen zu entwickeln oder gar eine Schulbildung zu empfangen, weil ihre Kultur und Sprache durch den Staat verboten war. Somit erlebten viele der kurdische Frauen, den Anschluss an die Befreiungsbewegung bereits als persönliche Befreiung, denn zum ersten Mal waren sie keine gedemütigten Opfer, sondern eigenverantwortlich handelnde Subjekte, die selbst eine lebensbestimmende Entscheidung fällten.
Zum anderen war die Persönlichkeit Abdullah Öcalans für die Frauen sehr beeindruckend. Seine Worte und sein Führungsstil waren Groß. Sie standen im Gegensatz zu der Autorität der alten Agas, die in Kurdistan über ihre Stämme herrschten. Abdullah Öcalan hatte vielmehr eine sehr verbindende, bescheidene und solidarische Art. Er versuchte alle Menschen, insbesondere Frauen einzubinden. Alle konnten unter diesem Dach ihren Platz einnehmen. Seinen Charakter und seine Eigenschaften fanden sehr viele Frauen anziehend. Öcalan dachte nie an seinen eigenen Vorteil oder Profit, wobei er Kurden und Kurdinnen aus allen vier Teilen des Landes unter einem Dach zusammen bringen und vereinigen konnte. Diese Revolution hatte unter den Kurdinnen in der Türkei (Nordkurdistan) begonnen, jedoch war sie eine Revolution, für alle Kurden. Das erregte zunehmend das Interesse der Frauen, an der Bewegung teilzunehmen.
Nach dem Tod von Beritan, die 1992 durch ihren heldenhaften Widerstand bekannt wurde und den außergewöhnlichen Kampfgeist kurdischer Frauen symbolisierte und die sich gegen Unterdrückung auflehnten, begann Abdullah Öcalan 1993 den Aufbau der Frauenarmee zu initiieren.
Mit der eigenständigen Organisierung von Frauen, der Entwicklung ihres Bewusstseins, ihrer Kraft und ihren Fähigkeiten wurde die Voraussetzung für die gesellschaftliche Befreiung und den Aufbau einer neuen Organisierung geschaffen. Auf diesen Grundlagen wurde der freie Frauenverband YAJK gegründet und der erste Frauenkongress fand, daraufhin, im Jahre 1995 statt. Obwohl die Gründung der YAJK ein großer Schritt zur Entwicklung einer freien Frauenorganisierung gewesen war und dies durch Abdullah Öcalan große Eigeninitiative und Unterstützung verliehen wurde, gelang es dennoch nicht, der umfassenden Führungsrolle in allen Bereichen gerecht zu werden. Der Befreiungskampf der Frau wurde, sobald er den Bereich des Politischen betraf, mit äußerst heftigen Widerständen immer wieder konfrontiert. Erst nach der Aktion von Zilan (Zeynep Kinaci) in Dersim am 30. Juni 1996, entstand ein neues politisches und militärisches Bewusstsein für die Frauen. Nun begannen Frauen, zum ersten Mal, sich selbst ernst zu nehmen, sich Ziele zu setzen und einander Vertrauen entgegen zu bringen, denn Zilan hatte ihnen gezeigt, dass es mit politischer und ideologischer Auseinandersetzung, mit gedanklicher und moralischer Stärke, möglich war, ein Ziel zu erreichen. Auch durch diese Aktion wurden die Männer neu aufgerüttelt und man akzeptierte im Nachhinein die Frauen in der Befreiungsbewegung der PKK. Damit begann für die YAJK ein neues Kapitel in der Geschichte der Frauenorganisierung, das von einer intensiven Auseinandersetzung mit der Geschichte des Matriarchats, der Situation der Frauen in Mesopotamien und den weltweiten Befreiungskämpfen begleitet wurde und ein wachsendes Interesse und Bewusstsein bezüglich der Notwendigkeit der Frauenorganisierung hervorbrachte.
Wie immer unterstütze auch der Parteivorsitzende Abdullah Öcalan die Frauen in dieser großen Phase. Diesbezüglich äußert er sich: „Eine revolutionäre Frauenpartei, revolutionäre Frauenpartei Kurdistans, das kann ein ernst zu nehmender Fortschritt sein. Ein großer Widerspruch lässt sich nur mit einer großen Partei überwinden. Deshalb müsst ihr darüber nachdenken, wie ihr den erlebten großen Widerspruch mit einer großen Praxis überwinden könnt. Ihr habt große Schwierigkeiten. Werdet zur Partei! Ihr müsst Euch organisieren. Obwohl ich mit meiner Einstellung sehr auf der Seite der Frauen stehe, meine ich, dass die Seite des unterdrückerischen Mannes auch bei mir durchschlagen kann. Kontrolliere ich mich nicht und kommt es zum Streit, entstehen Unterdrückung und Probleme. Von diesem Blickwinkel aus müsst ihr eure eigene Befreiung selbst vorantreiben.“
Im März 1999, nach dem Internationalen Komplott gegen Abdullah Öcalan, fand der zweite Kongress statt. Auf diesem Kongress verfasste die YAJK ihr eigenes Programm und Statut und organisierte sich als Partei unter dem Namen PJKK, Arbeiterinnenpartei Kurdistans. Damit erteilten die Delegiertinnen, den Angriffen gegen den Parteivorsitzenden und den Versuchen, die Bewegung in einen kurzfristigen emotionalen Aufstand zu ziehen und zu zerschlagen, das eine deutliche Antwort war. Sie manifestierten mit dem Schritt ihre Entschlossenheit, sich auf die eigene Kraft verlassend die Frauenbefreiung fortzusetzen.
Die Grundlage für die Entwicklung der Frauenbefreiungsideologie ist bereits auf die Erfahrungen Abdullah Öcalans in seiner Kindheit und die Analyse der feudalen Strukturen seiner eigenen Familie zurückzuführen. Er empfand die Zwangsverheiratung seiner Schwester und Spielkameradinnen als Unrecht und lehnte sich gegen die ungleiche Behandlung von Mädchen auf. Obwohl seine Mutter innerhalb der Familie eine autoritäre Rolle besaß, war sie letztendlich doch von der Entscheidungsgewalt männlicher Verwandten und der Unterwerfung unter gesellschaftliche Normen abhängig. Beziehungen, die Unterdrückung und Unfreiwilligkeit beinhalteten, ließen sich nicht mit der Suche nach Freiheit und wirklicher Liebe in Einklang bringen, weshalb der Kampf gegen Männerherrschaft zu einem wichtigen Leitprinzip von Abdullah Öcalan wurde. Er erkannte, dass der nationale Befreiungskampf nur mit der Befreiung der Frau, möglich ist. Deswegen war für ihn die Befreiung der Frau, der wichtigste Pfeiler im kurdischen Freiheitskampf. Abdullah Öcalan führte den Kampf gegen die Männerherrschaft sowohl auf politisch- gesellschaftlicher Ebene als auch in seiner eigenen Persönlichkeit, was er mit den Worten: “den Mann in sich töten” ausdrückte. Mit dem Aufbau der kurdischen Befreiungsbewegung und seinen Anstrengungen für die Selbstorganisierung der Frauen in der kurdischen Bewegung, ermöglichte er den Frauen ihr Schicksal in die eigene Hände zu nehmen und die vorherrschende fundamentalistische Tradition zu überwinden. Damit schuf Öcalan eine neue Lebensphilosophie in der kurdischen Geschichte. Deshalb sieht sich auch die kurdische Frau verbunden mit dem Schicksal von Abdullah Öcalan. Denn ohne Abdullah Öcalan würde niemals eine Gleichberechtigung der Geschlechter in unsere Gesellschaft stand finden.
Abdullah Öcalan sagt dazu folgendes: „Ohne die Gleichheit der Geschlechter ist jede Forderung nach Freiheit und Gleichheit sinnlos und illusorisch. So, wie die Völker ein Selbstbestimmungsrecht besitzen, so sollten auch die Frauen ihr Schicksal selbst bestimmen. Dies ist keine Frage, die zurückgestellt und aufgeschoben werden kann. Im Gegenteil wird bei der Formierung einer neuen Zivilisation die Freiheit der Frau für die Herstellung von Gleichheit wesentlich sein. Im Gegensatz zu den Erfahrungen im Realsozialismus und bei nationalen Befreiungskämpfen halte ich die Befreiung der Frau für bedeutender als die Befreiung der Klasse oder der Nation.“
Aus Frauensicht ist das Geschlechterbewusstsein sehr wichtig sowie der damit verbundene Zusammenhalt unter den Frauen. Frauen müssen sich darüber im Klaren werden, dass ihre momentane Situation kein Schicksal ist. Sie müssen wissen, dass sie dieses „Schicksal“ ändern können.
Der Parteivorsitzende Abdullah Öcalan äußert sich dazu: „ Damit sich die Frauen befreien können, müssen sie die Frauenbefreiungsideologie vertiefen. Sie müssen als ideologische Kraft bestehen können. Im Gegenzug zu den Männern haben sie einen langen Weg vor sich, sie dürfen den Männern kein großes Vertrauen gegenüber bringen. Die Frau wird ihre Unabhängigkeit bewahren. Man sollte keine Angst vor der Freiheit der Frau haben. Ich bin auf diese Weise Kamerad der Frau. Ich habe den Frauen großartige Kameradschaft entgegen gebracht. Ich besitze eine sehr starke Freundschaft zur der Frau. Hierbei handelt es sich um eine Sache von Stärke und Glauben. Auf diese Weise entgegne ich den Fleiß meiner Kameradinnen für mich. Die wichtigste Wirklichkeit, die sie wissen sollen, ist, dass sie so stark sein müssen, dass sie über das Schicksal von Krieg wie auch Frieden bestimmen können. Es gibt eine freie Welt zu gewinnen, es gibt ein freies Leben zu gewinnen. All euere Beziehungen sind von Schmerz durchsiebt worden. Eure Beziehungen sollten große und bedeutungsvolle Werte der Liebe sein. Seid nicht dogmatisch, aber auch niemals prinzipienlos. Ich glaube daran, dass ihr eines Tages die Stärke besitzen werdet, dem rückständigen und despotischen Mann, in die Schranken zu weisen. Ich hoffe, dass ihr dem Geist der Phase entsprechend euren Kampf erhebt. “
Quelle: DieKurden.de







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