Frieden in der Türkei – Einigung zwischen Kurden und Türken
Seit mehreren Jahren finden in der Türkei, insbesondere im Osten, dort, wo vermehrt die kurdische Bevölkerung lebt, schlimme Kämpfe zwischen der türkischen Armee und der kurdischen Arbeiterpartei PKK statt. Die Zahl der Toten auf beiden Seiten beträgt circa 45.000 und ihre Anzahl wächst stetig an. Die türkische Staatsgewalt geht mit großer Aggression und Gewalttätigkeit gegen die kurdische Zivilbevölkerung vor und scheut weder Jung und Alt, Männlich oder Weiblich. Quellen berichten zusätzlich dazu von mehreren Tausend Kindern, die in Gefängnisse gesteckt wurden, weil sie es gewagt hatten, im Rahmen einer Demonstration Steine auf bewaffnete Polizisten zu werfen. Ein Ende dieses Konflikts hält sich noch verborgen und die Lage spitzt sich jeden Tag in der Türkei zu. Doch eine Lösung ist nicht unmöglich. Mit den richtigen Forderungen, die beide Gruppen erfüllen müssen, wird die Türkei in absehbarer Zeit in einem neuen Frieden erblühen.
Der wichtigste Schritt, der unternommen werden muss, ist Abdullah Öcalan aus dem Gefängnis zu entlassen. Er ist die führende Stimme der PKK, einer Partei mit enormem Einfluss auf das kurdische Volk, und wenn diese Stimme zum Schweigen verdammt wird, kann man keinen Frieden erreichen. Abdullah Öcalan gilt als Vater der PKK, er war Mitstifter und Parteivorsitzender, er muss wie jeder andere Mensch das Recht haben, seine Meinung preisgeben zu können. Wenn es Menschen gibt, die gegen die Todesstrafe sind und gleichzeitig gegen die physische und psychische Folter eines Menschen, so gilt dies als Appell an alle vernunftbegabten Wesen, die Freilassung Abdullah Öcalans zu verlangen, denn es ist sowohl Qual und Folter für Körper und Seele. Seine Gesundheit darf nicht beeinträchtigt werden, er muss wie ein freier Mensch behandelt werden und nicht alleine, abgekapselt von der Außenwelt und eingesperrt in einer kleinen, engen Zelle verweilen, ohne jeglichen Bezug zur den Geschehnissen in der Türkei und sonst wo auf der Welt. Er gilt in der Türkei als Oberterrorist, als die Inkarnation des Bösen, doch statt über ihn zu reden, sollte man mit ihm reden.
Daraus ergibt sich eine weitere Richtung gen Frieden. Befreit man Abdullah Öcalan aus dem Gefängnis, ebnet dies den Weg zu neuen Dialogmöglichkeiten. Man muss Worte auswechseln, und keine Schüsse. Die türkische Regierung darf sich nicht die Ohren zuhalten vor den Wehklagen kurdischer Mütter, sondern Dialoge mit den Vertretern des kurdischen Volkes führen. Man sollte sich gegenseitig verraten, welche Ziele man eigentlich verfolgt. Das kurdische Volk ist es leid, Opfer der Ungerechtigkeit, die von der türkischen Regierung ausgeht, zu sein und die Regierung in Ankara darf nicht mehr mit Angst und Misstrauen den Kurden gegenüber stehen. Es sollten Zusammentreffen der Vertreter und Abgeordneten der jeweils größten Parteien geben, wie die AKP und BDP oder mit welchen, die die PKK repräsentieren. Ziel beider Gruppen sollte nicht die gegenseitige Auslöschung sein, sondern das Streben nach einem Leben in Frieden.
Parallel dazu sollten die Regierung in der Türkei und die PKK den Waffenstillstand einhalten, nicht nur formal, sondern diese Einigung in die Tat umsetzen, zum Schutze und Wohle des türkischen und kurdischen Volkes. Wenn eine Regierung einen Kampf gegen eine kleine, aber mächtige Organisation führt, dann leidet das gesamte Volk darunter. Das Massaker von Uludure, bei dem 35 kurdische Zivilisten vom türkischen Militär getötet wurden, bestätigt dies. Man muss das Blutvergießen stoppen, andernfalls rutscht man auf dem Weg zum Frieden aus.
Wichtig ist auch, dass die Türkei die kurdische Identität nicht leugnen darf. Das ehemalige Anatolien sollte sich zu den rund 20 Millionen Kurden bekennen, ihre Sprache und Kultur nicht verbergen, sondern zeigen, dass die größte Minderheit in der Türkei eines der ältesten Völker der Welt ist. Die kurdische Sprache besitzt ein breites Spektrum an Dialekten, die kurdische Kultur ist reich an Religionen, es wäre selbst für die Türkei von großem Vorteil, wenn sie den Kurden die Möglichkeit gewähren würde, ihre Kultur und Tradition ausleben zu können. Es würde die Vielfalt dieses Landes zeigen, das Leben in der Türkei würde einem bunten Mosaik verschiedener Völker gleichen. Das Zusammenleben der Menschen wäre einfacher und es gliche keiner Apartheidgesellschaft.
Wenn man die kurdische Identität nicht mehr leugnet, sollten all jene Massaker, die in der Vergangenheit gegen die Kurden verübt wurden, ebenso publik gemacht werden. Jeder hat das Recht zu erfahren, was das kurdische Volk ertragen musste und dass ihr Kampf nach Unabhängigkeit, Freiheit und Frieden nicht unbegründet ist. Ministerpräsident Erdogan entschuldigte sich einst für das Massaker von Dersim in den 30-er Jahren, aber das allein genügt nicht. Erdogan ist weit entfernt von dem Ideal eines gerechten Herrschers. Die kurdische Sprache ist zwar nicht verboten, doch es ist mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass es sich um eine Lüge handelt, wenn Erdogan von einem Kampf gegen „Terror“ spricht. Seitens der PKK existiert kein Terror, denn Terror bedeutet beispielsweise 35 kurdische Zivilisten „versehentlich“ zu töten oder radikal und konsequent, mit härtester Militärgewalt, kurdische Dörfer und Städte zu umzingeln und auf wehrlose Bürger zu schießen. Terror bedeutet ebenso, alte Frauen festzunehmen, weil der Verdacht auf eine aktive Beteiligung an einer verbotenen Organisation besteht. Hinzu kommen die Deportationen unzähliger Kurden aus ihren Dörfern, die Einsätze von Artillerie und Giftgas unter der Herrschaft Mustafa Kemal Atatürks, die Vergewaltigung vieler kurdischer Mädchen von türkischen Soldaten, die Verhaftung kurdischer Studenten aufgrund des Tragens eines kurdischen Schals. All jene Dinge sind Verbrechen gegen die Kurden und dürfen nicht hinter verschlossenen Türen versteckt bleiben, sondern öffentlich gemacht werden und das kurdische Volk hat eine Entschuldigung und Wiedergutmachung verdient.
Nachdem in den 30-er und 40-er Jahren bis zu zehn Millionen Juden in Deutschland getötet wurden, bat man öffentlich um Verzeihung, Deutschland hält sich nun strengstens an die Menschenrechte und pflegt enge Beziehungen zu Israel. Des Weiteren werden Schüler in den Schulen über diesen Völkermord aufgeklärt. Man bringt ihnen bei, was damals geschah und das es nicht richtig war, was man damals tat. Die Türkei könnte es ihrem Nato Partner gleich tun und Stärke und Größe beweisen, indem es sich zu ihren vergangen Fehlern bekennt.
All dies sind Mittel, um Frieden und interne Stabilität in der Türkei und in allen anderen Ländern zu erreichen. Jeder Mensch begehrt ein Leben in Ruhe und Freiheit, wir alle besitzen die selben Rechte und keine Macht dieser Welt sollte uns glauben lassen, wir dürften andere unterdrücken, um unsere Position demonstrieren zu können. Es sind bereits zu viele Menschen getötet worden und jedes weitere Tropfen Blut würde uns immer mehr vom Frieden entfernen. Es wird Zeit, Dialoge zu starten und sich gegenseitig auszutauschen und aufzuklären.






