Einwohner in Südkurdistan erkranken durch schmutziges Trinkwasser
Shengal, Nordirak (Südkurdistan) – Elias, ein Einwohner aus dem Landkreis Shengal, hat einen medizinischen Bericht veröffentlicht in Bezug auf die Krankheiten im Trinkwasser und der damit verbundenen Nierenerkrankungen der Einwohner.
“Ich muss 30 Millionen irakische Dinars (24,000 US $) leihen, um meine kranke Niere behandeln zu lassen und dazu noch die Chirurgie finanzieren“, so der 25 Jahre alte Elias gegenüber der Rudaw.
In seinem Geschäft arbeitet Elias jeden Tag neun Stunden, um so sich das Geld für die medizinische Vorsorge leisten zu können. Die Schmerzen beeinträchtigen ihn bei jeder Bewegung und so auch seine Arbeit. Aufgrund der fortgeschrittenen Entzündung seiner Nierenerkrankung müsste er eigentlich nicht mehr arbeiten, was jedoch unmöglich sei, so Elias.
Ein weiterer Nierenpatient ist Shirin. Aufgrund der äußert schlechten und kritischen Lage der Krankheit war Shirin unfähig ein Interview mit der kurdischen Zeitung Rudaw zu führen.
Ismael, ihr Mann, gab bekannt, dass ihre Krankheit das Leben der ganzen Familie zerstört hätte.
Jede Woche müsse seine Frau zum Arzt, um sich behandeln zu lassen. Das Geld reiche längst nicht mehr aus, was sie dazu zwingt, es sich von den Nachbarn zu leihen.
„Der Arzt sagt jeden Tag, die Lage deiner Frau sei sehr kritisch, man solle entweder die finanziellen Mittel auftreiben, um schleunigst eine Operation durchführen zu können, oder man müsse sich mit dem Tod abfinden“, so Ismael.
Rudaw hat den Direktor des Duhok Nierenimplantationskrankenhauses in seiner Abendklinik besucht. Der Arzt, der auch Shirin und Elias behandelt, sagte aus, dass zu 90% der Patienten in seiner Klinik an Nierenerkrankungen leiden. Und davon 60% aus dem Landkreis Shengal seien.
Ebenfalls sagte der Arzt aus, dass Elias und Shirin zwei Optionen hätten. Entweder man würde ihnen Implantate einoperieren oder sie müssten damit für den Rest ihres Lebens leben, ständig die Niere waschen zu lassen, mit dem Risiko weiterer Erkrankungen und Infektionen.
Gemäß dem Arzt ist das Trinkwasser in Shengal die Hauptursache dieser Krankheit. Das Wasser ist mit Mineralen versetzt, welches die Ursache für die Nierensteine sei. Außerdem ist der übermäßige Betrag von Keimen und Bakterien im Wasser die Ursache für Krankheiten im Magen und Abdomen.
Wie viele irakische Städte hat Shengal, in der Provinz von Mosul, unter einem Mangel an trinkbarem Wasser zu leiden. Seit dem Zusammenbruch des irakischen Saddam-Regimes kontrolliert Kurdistans Regional Regierung (KRG) diesen Bezirk.
In Shengal haben die Meisten durch das irakische Regime einen Mangel an medizinischer Dienstleistung. Es gibt nur ein Wasserfiltrier-Werk im Bezirk, der nicht genug Wasser für alle Einwohner zur Verfügung stellen kann. In den meisten Dörfern und anderen ärmlicheren Gebieten wird das Wasser sogar ungefiltert getrunken, weil die Regierung hierfür keine Hilfe leistet, um Filteranlagen zu erbauen.
Außerdem haben nur zwei von elf Gebieten im Bezirk eine Kanalisation und Wasservertriebsrohrleitung. Da 80 Prozent der Bevölkerung von Shengal keinen Zugang zum Wasser haben, sind diese gezwungen, sich mit dem Wasser aus den Bohrlöchern zu versorgen.
Unterirdisches Wasser – die alleinige Quelle von Trinkwasser in Shengal – ist kurz davor, ebenso wegen des Wassermangels und übermäßigen Gebrauches durch Bezirkseinwohner zu verschwinden. In den letzten zehn Jahren ist der Wasserspiegel in einigen Gebieten um 50 Meter gesunken.
Murad Ismael, ein Ingenieur ursprünglich von Shengal und derzeit ein Einwohner von Texas, der USA, hat in der These seines Masters aufgezeigt, dass je mehr man unterirdisches Wasser abnimmt, desto gefährlicher es wird. Ebenfalls sagte er aus, dass wenn die aktuelle Situation in 14 Jahren so weitergehen sollte, ein Leben in Shengal nicht mehr realisierbar wäre.
Der Arzt aus dem Krankenhaus in Yarmu, Dr. Mohammed Adnan Mohammed, erzählte, dass den Familien aus Shengal Chlor ausgeteilt wurde, um den Dreck im Wasser etwas lindern zu können, es sei jedoch keine Lösung für einen längeren Zeitraum. Man müsse bedenken, dass auch Chlor seine negativen Wirkungen hat und die Einwohner aus Shengal dringend eine Rohrleitung haben müssen.
Ibrahim Izzat, ein Mediziner aus dem Krankenhaus in „Khana Sor“, teilte mit, dass sich die medizinischen Berichte, die im Laufe einer zweiwöchigen Periode im März ausgeführt worden waren, aufgezeigt haben, dass jeder dritte Patient Kristalle in den Nieren hat, die zu schweren Krebserkrankungen führen können. Aus den 27 Ergebnissen sind 22 Ergebnisse auf das schmutzige Trinkwasser zu führen.
Ein weiteres gravierendes Problem in Shengal ist der Mangel an Kontrolluntersuchungslaboratorien.
Aus 23 medizinischen Einrichtungen verfügen nur sieben davon Laboratorien. Und diese Laboratorien haben keine fortgeschrittene Ausrüstung, um grundlegende Kontrolluntersuchungen durchführen zu können. So werden die meisten Krankheiten nicht entdeckt, bis sie so schwerwiegend sind, dass sie entweder schwer oder gar nicht mehr zu behandeln sind.
Rudaw hat Proben vom Trinkwasser von sechs verschiedenen Gebieten im Shengal in das Duhok Umweltbürolaboratorium genommen. Nur eine Probe hat den Test für trinkbares Wasser bestanden.
Der „E.Coli-Test“ hat einen großen Betrag von Bakterien in jeder Wasserprobe gezeigt.
Schockierend war, dass im Wasser ebenfalls Überreste von Mensch und Tier zu entnehmen war.
Quelle: Rudaw-Englisch






