30 Millionen Dollar für einen kleinen Aufbau in Shengal

9. Juni 2012 14:53Kommentare deaktiviertViews: 4

Shengal, Südkurdistan (Besatzer: Irak) – Ein Minister der kurdischen Regierung, der die Delegation der Autonomen Region Kurdistan nach Shengal (arab. Sindjar) begleitet hatte, fand deutliche Worte zu den schlechten Verhältnissen. “Das Leben dieser Leute erschreckt mich. Ich habe nie geglaubt, dass die Leute unter diesen Verhältnissen leben. Ich habe bisher noch keine Menschen gesehen, die so benachteiligt wie in diesem Landkreis leben”, so der Minister. Der kurdische Minister des Autonomiegebiet Kurdistan, der anonym bleiben wollte, sagte weiter: “Wir haben deswegen die Entscheidung getroffen, diesen Leuten zu helfen und haben ein Untersuchungs-Kommitee gegründet.”

Die Delegation aus der Autonomen Region Kurdistan, darunter der Vize-Präsident Imad Ehmed und vier Minister, traf mit Regierungsvertretern und Parteien des Landkreises zusammen. Der Bürgermeister vom Landkreis Shengal, Miyesr Heci Sali, sagte Folgendes: “Seit 2003 ist es das erste mal, dass die kurdische Regierung uns richtig besucht. Wir können von nun an große Projekte für die Bevölkerung aufbauen.”

Im Landkreis Shengal leben fast 400.000 yezidische Kurden. Dieser Landkreis wird von der Provinz Mossul vernachlässigt. Das war der Grund, warum die kurdische Regierung am 22. Mai eine Delegation in den Landkreis schickte und 30 Millionen Dollar für einen Aufbau in diesem Landkreis zur Verfügung stellt.

Der Vize-Vorsitzende Mossuls, Xesro Goran, sagte zu der Hilfe aus der Autonomen Region Kurdistan: „Es wurden bisher weder aus Bagdad noch aus Hewlêr Gelder für Shengal frei gemacht.” Xesro Goran, DPK-Politiker in Mossul, sagte: „Die kurdische Regierung hat schon früher einige Projekte in Shengal eingeleitet, aber dieses Mal ist das eine sehr große Sache.”

Nach dem Besuch der Delegation wird eines der größeren Projekte, das aus diesem Geld finanziert wird, eine Straße sein, die Shengal mit der Provinz Dihok verbindet. Das Projekt soll in wenigen Wochen schon umgesetzt werden.

„Wir werden eine Staße bauen, das Shengel direkt mit Dihok verbindet“, so der Bürgermeister von der Stadt Shengal, Yezdin Xelef. Der Bürgermeister kritisierte die Provinz wegen der Vernachlässigung Shengals und ergänzte: „Bislang haben wir keinerlei Projekte gesehen. Bis auf den Straßenbau zwischen der Provinz Mossul und Shengal, was nur eine Malerei auf der Landkarte ist. Aber diese Gelder der Autonomen Region Kurdistan werden uns nach vorne bringen. Neben Straßenbauprojekten können wir auch Wasser- und Landwirtschaftsprojekte umsetzen.”

Miyeser Heci Salih sagte: „Bagdad gab 2011 dem Landkreis 17 Milliarden irakische Dinar, wovon nicht einmal alles investiert wurde. Aber die Autonome Region Kurdistan gibt uns 40 Milliarden irakische Dinar, das Budget von drei Jahren, welches aus Bagdad kommt. Und das ganze Geld wird für Projekte benutzt.”

Ido Babeshex, PUK Politiker in Shengal, bedankte sich bei der Autonomen Region Kurdistan: „Dieser Besuch der Regierung war mit Plan. Sie haben sich zur Vergangenheit verändert.”

Maliki, Iraks Ministerpräsident, hatte nach dem Besuch der kurdischen Delegation ein Ministertreffen in Mossul. Doch laut allen Politikern in Shengal hat sich nichts für sie geändert.

Eli Ewni, DPK-Politiker in Shengal, machte öffentlich, dass vor den Wahlen in Mossul Schulen in Shengal und Shexan geplant waren, „doch nach dem Wahlerfolg der arabischen Hedba-Liste wurden diese Arbeiten eingestellt.”

Eli Ewni sagte: „Die Gelder für diesen Landkreis kommen aus der Autonomen Region Kurdistan und nicht aus Bagdad.” Jedoch hofft er, dass die kurdische Regierung nicht nur Shengal beachtet, sondern “es notwendig ist, dass auch die Wünsche der Menschen in Mexmur, Shexan und anderen Landkreisen gehört wird“.

Der Gesundheitsminister der kurdischen Regierung, Dr. Rekewt Heme Resid, sah die große Freude in den Augen der Menschen und der Politiker in Shengal über ihren Besuch und äußerte sich wie folgt: „Wir beeilen uns auch in Sachen Medizin, bessere Arbeiten zu leisten. Wir als Gesundheitsministerium wollen neben dem Geld, was nun zur Verfügung gestellt wird, auch die medizinische Versorgung verbessern. Wenn wir selbst das nicht finanzieren können, werden wir versuchen, das bei Treffen der Ministern durchzubringen.“

Shengal ist ein Landkreis in der Provinz Ninawa und ist mehrheitlich von Kurden bewohnt, die Anhänger des Ezidentums sind. Am 14. August 2007 explodierten in den beiden Dörfern Al-Khatanijah und Al-Adnanijahin bei Shengal zeitgleich mehrere mit Sprengstoff beladene LKW. Mehr als 500 Menschen wurden innerhalb einer Stunde getötet, darunter viele Kinder und Frauen. Die Zahl der Toten stieg schließlich auf 700.

Die Stadt wird von der irakischen Zentralregierung verwaltet. Der Status der Stadt ist nicht geklärt. Laut Artikel 140 der irakischen Verfassung soll eine Volksabstimmung entscheiden, ob sie weiterhin von der Zentralregierung oder der Autonomen Region Kurdistan verwaltet werden soll.

 

Übersetzt von: Ezidxana Serfedîn

DieKurden.de, Rudaw

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